Jugendmusical „GRIMM!“ suchte in der Kasseler Sparkasse junge Talente 

Das Studio Lev Kassel e.V. macht die Bühne frei für ein neues Jugendmusical namens „GRIMM!“. In der modernisierten Form des Rotkäppchens erfahren wir die wirklich wahre Geschichte mit dem Wolf. 

Die Nachfrage bei der Talentsuche war so groß, dass zwei Castingtermine benötigt wurden.

Diese fanden am 22. und 28. Mai 2016 statt. Die Kasseler Sparkasse als Sponsor des Musicals-Projektes hatte dafür ihr Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. 

Was muss nun also jemand mitbringen, um für das Musical geeignet zu sein? 

Svenja Schröder ist Leiterin des Projekts und hat in den vergangenen Jahren schon viele tolle Musicals mitproduziert, wie zum Beispiel „Spring Awakening“ (2011) und „Vodar Eiland“ (2015). 

Auch dieses Jahr suchte sie nach neuen Talenten für die Bühne. Dabei mussten ihre Darsteller ganz schön was zu bieten haben: Es reichte hier nicht allein gesangliches Können oder gut Schauspielen zu können. Die Bewerber mussten richtige All-Round-Talente sein und sich in mehreren Disziplinen unter Beweis stellen. 

 

Gemeinsam mit Tanztrainerin Anna Winter übten die 15 bis 25-jährigen Teilnehmer eine Tanzchoreographie mit verschiedenen Schritten ein. Anna Winter ist auch für die gesamte Choreo des Stücks verantwortlich. Nach dem ersten Casting gab sie sich positiv überrascht und freute sich, wie lernfähig die Teilnehmer waren. 

Hatten diese den tänzerischen Teil der Prüfung abgeschlossen, mussten sie sich noch einem weiteren Punkt auf der Liste unterziehen, dem Einzelvorsprechen. Hier war jeder Bewerber auf sich allein gestellt und musste sein Talent vor der Jury unter Beweis stellen. 

 

Hierfür mussten die Jugendlichen bereits im Vorfeld einen Monolog sowie ein bis zwei Lieder einüben. Viele waren sichtlich nervös, und eine Spannung gemischt mit Vorfreude füllte den Raum. Nach dem gemeinsamen Einsingen merkten die Teilnehmer aber schnell, dass das Ganze doch sehr viel Spaß bereitet. Zusammen mit Vocal-Coach Katharina Müller und der Musical-Leitung Christian Köhn lernten die jungen Leute verschiedene Entspannungsübungen, Atemtechniken und sangen schließlich hohe und tiefe Tonleitern. 

 

Nun kam ein Aspekt hinzu, der auch im Musical „GRIMM!“ später häufig auftaucht - das Wolfsgeheul. Zuerst sollten die Männer anstimmen und später fielen die Frauen mit ein. Dies erwies sich als gar nicht so einfach, aber mit ein bisschen Übung kam immer mehr Rhythmus rein.

Die Aufregung stieg dann noch einmal zum großen Einzelvorsprechen. Mit gerade einmal 11 Jahren war Melissa die jüngste Teilnehmerin und berichtete nachher, wie spannend es für sie war, allein vor der Jury zu stehen. Als sie mit ihrem auswendig gelernten Monolog anfing, habe sie aber schnell alles um sich herum vergessen. 

 

Beim Singen stellte sie sich vor, auf einer großen Bühne wie in einer Arena zu stehen und konnte dieses tolle Gefühl lächelnd genießen. „Wenn man drin ist im Song, ist es erleichternd, und wenn es dann schon wieder vorbei ist, würde man am liebsten nochmal singen“, erzählte sie freudig. Ihre Gesangslehrerin hatte sie auf das Casting aufmerksam gemacht und Melissa war gleich begeistert von der Idee. „Das Schlimmste war für mich der Gang in den Raum, meine Hände zitterten und ich hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch. Aber zum Schluss hat sich alles gelohnt", erklärt sie erleichtert. 

Wer war noch dabei?

Christian (16 Jahre) spielte im Teensclub des Staatstheaters Kassel „Alexander, der die Weltherrschaft wollte.“ Für das Casting reichte es ihm, eine Runde weiterzukommen und im Musical Grimm mitwirken zu dürfen. 

Charlotte (16 Jahre) liebt Musicals, da sie selbst auch Gitarre und Klavier spielt. Auch an Schauspieltalent fehlt es ihr nicht, welches sie ebenfalls bereits im Kasseler Staatstheater unter Beweis gestellt hat. Sie findet es toll, in ihrem Castingmonolog viele Schimpfwörter benutzen zu dürfen.

Leonie (17 Jahre) würde gerne eine Runde weiterkommen, da sie sehr gern Theater spielt und schon seit anderthalb Jahren Mitglied im Teensclub Kassel ist. 

Nele (16 Jahre) hat schon viele Theater-Workshops hinter sich und freut sich auf ihr Casting. Ihre Freunde beschreiben sie als Naturtalent, was Singen und Tanzen angeht. 

Samantha (16 Jahre) ist durch ihre Musiklehrerin auf das Casting aufmerksam geworden und hat schon einige Erfahrungen im Jugendclub des Staatstheaters gesammelt.

Janina (17 Jahre) hat in der Schule „Darstellendes Spiel“ als Unterrichtsfach. Ihr macht nicht nur das Schauspielen sehr viel Spaß, sie singt und tanzt auch gern in ihrer Freizeit. 

Teilweise haben sich die Teilnehmer sogar zusammen auf das Casting vorbereitet. Sie lernten zuerst den Monolog auswendig, versuchten dann so viele Emotionen wie möglich darin einzubringen und sprachen sich den Text gegenseitig vor. Positive Rückmeldung verlieh ihnen mehr Mut, sich auch vor einer Jury zu beweisen.

Es wurden aber nicht nur Schauspieler und Musiker gesucht. Denn um so ein großes Musical auf die Beine zu stellen, bedarf es vieler Helfer und Assistenten. Zum Beispiel muss für die Licht- und Tontechnik gesorgt werden oder für die richtige Promotion, um das Stück ordentlich zu bewerben. Dafür werden die Jugendlichen extra auf die Straßen ziehen und musizieren, um möglichst viele Leute auf das Musical aufmerksam zu machen. Benötigt werden auch Illustratoren, die die Gestaltung des Bühnenbildes übernehmen.

Aus dem ersten Casting kamen insgesamt 13 Nachwuchsdarsteller eine Runde weiter. 

Das zweite Casting.

Auch beim zweiten Casting war die Jury gespannt, welche Bewerber sich präsentieren wollten. Um die Stimmung etwas aufzulockern, begann Produktionsleiterin Svenja Schröder mit ein paar lustigen Kennlernspielen zum Aufwärmen. Die erste Aufgabe an die Runde bestand darin, sich kurz vorzustellen und ein Tier zu nennen, vor dem man Angst habe. 

Danach sollten die Prüflinge in Freudentänze ausbrechen. Dabei übertrug sich die anfangs nur gespielte gute Laune auf alle und man steckte sich durch Jubelschreie gegenseitig an. Schnell wurde klar, dass es sehr wichtig ist, Spaß an der ganzen Sache zu haben und sich wohl zu fühlen.

Auch die Rollen als motivierte Sparkassenangestellte, die eben von ihrer Beförderung erfahren hatten, nahm man ihnen sofort ab. Die Darsteller trotzten vor Energie und zeigten, dass sie es wirklich ernst meinten und demonstrierten dabei große Willenskraft.

Wer nahm beim zweiten Casting teil?

Anna (23 Jahre) kommt aus Kassel und deckt alle erwünschten Bereiche ab. Sie tanzt Ballett, spielt Geige und singt sehr gern, heute den Song von Jennifer Hudson „Love you I do“. 

Susanne (17 Jahre) spielte die Hauptrolle in „Pfirsichbäckchen Mimi“, welches auch eine Workshop- und Musical-Produktion des Studio Lev Kassel im April war. Beim Musical „Vodar Eiland“ hat sie Geige gespielt und freut sich nun, neue Erfahrungen sammeln zu können. 

Sophie (20 Jahre) ist Studentin der Uni Kassel, spielt in der Theater-AG und tanzt schon seit neun Jahren Standard. 

Veronika (20 Jahre) in Münster wohnend, mag besonders den Gesangsteil. Sie singt im Chor und tanzt Ballett.  

Yasmina (16 Jahre) ist extra aus Berlin nach Kassel gekommen. Sie ist durch eine Zeitungsanzeige auf das Casting aufmerksam geworden. Ihr gefällt das Stück besonders gut. Seit acht Jahren ist sie schon in einem Musicalverein. Außerdem ist sie Mitglied im jungen Ensemble des Friedrichstadt-Palastes Berlin. 

Nina (16 Jahre) hat den Vorsatz, nichts zu verlieren, aber alles gewinnen zu können. Sie will dabei Spaß haben und neue Erfahrungen sammeln. 

Denis (20 Jahre) wohnt in Bielefeld und hat als Must-have immer seine Gitarre dabei. Er komponiert und schreibt Songs, mit denen er überall für gute Stimmung sorgt. Er ist Ensemblemitglied der Jugend-Musical-Bühne Rietberg und beginnt ab Oktober im Fach Musical an der Universität der Künste in Berlin sein Studium. 

Friederike (20 Jahre) ist aus Leipzig gekommen und schon bei vielen Aufnahmeprüfungen für eine schauspielerische Ausbildung angetreten, da sie gerne Musicaldarstellerin werden möchte. 

Fabian (18 Jahre) kommt aus Göttingen, singt seit sieben Jahren, spielt seit zwei Jahren im Stadttheater nimmt privaten Schauspielunterricht. Außerdem tanzt er gern Jazz und bereitet sich ebenfalls auf verschiedene Aufnahmeprüfungen für Musicals vor. 

Leonie (14 Jahre) ist aus Baden-Baden angereist. Ihre Mutter leitet dort eine Musical-AG und sie selbst spielt sehr gern Theater und Geige. 

Leonie (14 Jahre) ist aus Baden-Baden angereist. Ihre Mutter leitet dort eine Musical-AG und sie selbst spielt sehr gern Theater und Geige. 

Alle Finalisten mussten sich noch einmal im Call-Back beweisen, um eine der begehrenswerten Rollen des Stücks zu ergattern. Geplant war die Besetzung mit ungefähr 10-15 Personen, so dass die Jury vor die Qual der Wahl gestellt wurde, wer am besten zu den Rollen passt.

Probenzeitraum sind dann die ersten drei Augustwochen, an denen rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche trainiert wird. Da braucht es Einsatz und Durchhaltevermögen, aber so wie wir die Bewerber im Casting erlebt haben, wird „GRIMM!“ mit Sicherheit ein ganz großes Projekt werden, das von seinen motivierten Teilnehmern lebt.

Der Verein.

Das Studio Lev Kassel e.V. (SLK) ist ein gemeinnütziger Verein, der seit 2009 musikalische Bühnenprojekte mit jungen Erwachsenen in der Region Kassel durchführt.

Die vier Bereiche des Vereins sind „Entdecken, Entwickeln, Empower und Entertain“.

SLK will neue Nachwuchstalente aus der Region entdecken und fördern und castet hauptsächlich Laien. Dabei sind das Potential der Darsteller und ihre Leidenschaft für die Bühne wichtig. 

Der Regisseur des diesjährigen Projekts, Janis Knorr, erklärt, dass es wichtig sei, Jugendliche in kreative Projekte einzubinden. Soziale Kompetenzen und Kreativität wären auch später im Beruf immer von Vorteil und so sei es sinnvoll, sich hierfür zu erproben.

Außerdem steht der Verein für „Entwickeln“. Die Nachwuchstheaterspieler werden durch die Projekte gefördert und können sich dabei weiterentwickeln. Dabei wird stets auf die Bedürfnisse der Teilnehmer geachtet und eingegangen. 

Schließlich geht es dem SLK auch um „Empower“, also die Befähigung bzw. Ermächtigung verschiedene Kompetenzen in künstlerischen Disziplinen zu erwerben. Kooperation steht dabei an oberster Stelle, und so lernen die Teilnehmer, verantwortungsbewusst zu handeln und Teil einer Gruppe zu sein. 

Den Mittelpunkt bildet für den Verein das Entertainment, da unterhaltsame Shows auf die Bühne gebracht werden sollen. Dabei hat der Verein den Anspruch maximal möglicher Professionalität und unterstützt weiterhin Talente, die große Leidenschaft für Theater aufbringen.

Das Stück. 

„GRIMM!“ (Lund/Zaufke) handelt von dem aufmüpfigen Rotkäppchen, das sich gegen alle Warnungen in den Wald traut und dort auf Grimm, den Wolf trifft. Dieser ist gar nicht so böse, wie die Dorfbewohner ihn immer beschrieben haben. 

Die Geschichte von Gut und Böse wird neu erzählt und die Eindimensionalität der Charaktere aufgelöst. Im Vordergrund stehen Themen wie die Angst vor dem Unbekannten, subjektive Wahrheiten und soziale Normen, die mit einem Augenzwinkern dargestellt werden. 

Die Premiere findet am 24. August 2016 auf der Studiobühne des Docks 4 in Kassel statt. Darauf werden weitere acht bis zehn Shows werden folgen. 

S-INSIDER wünscht allen Teilnehmenden viel Erfolg und freut sich schon auf die tolle Show!

(J. Hähndel)