Komisch sein ist harte Arbeit.

Einige Tage nach Ihrer Eröffnung im Mai fand bereits die erste Veranstaltung im S-Campus statt. 

Mit Martin Perscheid und Michael Holtschulte gaben sich zwei der bekanntesten deutschen Karikaturisten ein Stelldichein.

Perscheid ist Träger vieler Preise für seinen unverwechselbaren Humor, u.a. den Max-und-Moritz-Preis (2002) für die beste deutschsprachige Cartoon Serie. Auch Michael Holtschulte ist ein deutscher Cartoonist, Karikaturist und Illustrator. Er veröffentlicht ständig neue Cartoon-Bücher und hat seine eigene Website totaberlustig.de,  auf der er wöchentlich neue Zeichnungen publiziert.

Im S-Campus signierten beide fleißig ihre Bücher. Highlight waren aber jedes Mal personalisierte Karikaturen, mit denen sie ihren Fans eine große Freude bereiteten. Jeder Wunsch wurde erfolgreich und humorvoll umgesetzt und brachte die Zuschauer zum Stauen, wie schnell so eine Zeichnung mit viel Fingerspitzengefühl zustande kommt. 

Da ist höchste Konzentration und Detailarbeit gefragt, aber den Künstlern scheint Stress wenig auszumachen. Jeder zeichnet auf seine Weise im eigenen Stil. 

Perscheid verwendet des Öfteren die Figur des „Deppen“ in seinen Karikaturen. Auf die Frage, warum diese Figur immer wieder in seinen Werken erscheint, erklärt er, dass sie besonders leicht zu zeichnen sei. „Der Depp“ habe keine Haare auf dem Kopf und seine Augen seien durch die Brille verdeckt. Außerdem sei es wichtig, dass die Figur neutral aussehe, um vom Witz nicht abzulenken. Er reagiere und lache nicht und sage nur selten etwas, weshalb er schlicht dafür da sei, den Witz zu transportieren. Dadurch erhalte er seine Rolle als neutralen Träger des Humors.

Holtschulte hingegen greift gern auf die Figur des Sensenmannes zurück. Dieser sei die Personifikation des Todes mit dem man gute Gags machen könne. Man brauche so eine Figur, um gewisse abstrakte Dinge darzustellen. 

Dies sind natürlich nicht nur die einzigen Charaktere, die die Künstler verwenden. Sie denken sich auch immer wieder spontan welche aus, die zum jeweiligen Hintergrund passen. 

S-INSIDER nutze die Gelegenheit für ein paar Fragen.

S-INSIDER: Sie haben zwei kleine Söhne, gefallen ihnen Ihre Cartoons?

Perscheid: Sie mögen meine Zeichnungen und fertigen nun sogar schon selbst Cartoons. Da habe ich sie wohl beeinflusst, auch in eine solche Richtung zu gehen.

S-INSIDER: Gibt es einen bestimmten Ort, an dem sie besonders gerne zeichnen oder spielt das Umfeld keine Rolle?

Perscheid: Das Umfeld ist für mich total unwichtig. Die Ideen kommen einfach so aus meinem Kopf heraus, da ist es egal wo ich gerade bin.

S-INSIDER: Waren Sie früher in der Schule schon gut in Kunst?

Perscheid: Ja, das hat mir immer Spaß gemacht. Leider blieb dann nicht so viel Zeit für andere Fächer, weil ich mein Zeichentalent ausbauen wollte.

S-INSIDER: Hatten sie schon mal eine künstlerische Blockade, wo Ihnen nichts eingefallen ist?

Beide: Wir benutzen ein Skizzenbuch. Ideen haben wir immer, an einigen Tagen nicht immer besonders gute, aber davon lassen wir uns nicht runterziehen. Wenn einem mal zu einem bestimmten Thema nichts einfällt, dann zeichnet man woanders weiter, was man schon längst hätte zu Ende zeichnen wollen und versucht es später noch einmal.

S-INSIDER: Sie machen sogar Trickfilme, Herr Holtschulte?

Holtschulte: Ja, einer hieß zum Beispiel „Gutenachtgeschichte“. Dort liest der Sensenmann seinem Kind etwas vor. Die Grundlage für die Trickfilme sind die Cartoons, diese wirken lebendiger als die statischen Zeichnungen. Letztes Jahr war ich bei TV Total bei Stefan Raab eingeladen und konnte dort einige kurze Trickfilme vorstellen, was für das Publikum sehr unterhaltsam war.

S-INSIDER: Solche Filme anzufertigen ist bestimmt zeitintensiv, oder?

Holtschulte: Ja, das dauert schon recht lange. Man braucht die Cartoons, dann die Animation, die Stimmen und die passende Musik dazu. Für einen 20 Sekunden-Clip kann man schon mal eine Woche dran arbeiten.

S-INSIDER: Arbeiten Sie alleine?

Holtschulte: Ja, da habe ich sonst keinen, der das so hinkriegen würde, wie ich das gerne hätte. Bei den Stimmen lasse ich mir von Kollegen helfen. Einer hat eine besonders tiefe Stimme. Ihn lasse ich den Sensenmann einsprechen. Der kriecht dann extra mit dem Mikro unter die Bettdecke und nimmt mir die MP3 auf. Beim Clip der „Gutenachtgeschichte“ wurde die Stimme sogar vom echten Kind des Vaters einstudiert.

S-INSIDER: Sie haben sogar Ihre eigene Website und veröffentlichen Cartoons?

Holtschulte: Ja, eigentlich sogar wöchentlich. Wenn ich gerade viel zu tun habe, kann ich das nicht immer berücksichtigen. Um aber dennoch online präsent zu sein, gibt es meine Facebook-Seite. Dort poste ich fast täglich etwas. Ich bin jetzt auch kurz vor der 300.000er Fan-Marke und bin froh, so viele Leute erreichen zu können.

S-INSIDER: Was sind Ihre neusten Veröffentlichungen?

Holtschulte: Ein Horrorband mit vielen Cartoons, den ich zusammen mit einem Kollegen erstellt habe.

S-INSIDER: Für welche Zeitungen arbeiten Sie?

Holtschulte: Für die „Süddeutsche“, die „Taz“, das Humor- und Satiremagazin „Eulenspiegel“, die Satirezeitschrift „Titanic“, das Filmmagazin „Deadline“ und das Comicmagazin „Yps“.

S-INSIDER: Gibt es jemanden, der Ihre Zeichnungen kontrolliert oder entscheiden Sie selber, wann sie fertig sind?

Holtschulte: Das entscheide ich selbst. Manchmal steht man auch gehörig unter Zeitdruck.

S-INSIDER: Wie gehen Sie einen Auftrag an?

Holtschulte: Wenn ich zum Beispiel einen Themenvorschlag von der Süddeutschen erhalte, dann mache ich mir Gedanken darüber, wie man den Witz gut rüberbringen kann. Das Zeichnen und Kolorieren ist dann nur noch handwerkliches Geschick.

S-INSIDER: Womit arbeiten Sie?

Holtschulte: Mit Photoshop und Graphik Tablet.

S-INSIDER: Wie sind Sie zum Zeichnen gekommen?

Holtschulte: Meine Mutter hat Kunst studiert, da habe ich mir einige Grundtechniken abschauen können. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich sehr zynisch bin und habe den Humor mit den Zeichnungen zusammen für mich entdeckt. 

Meine erste Veröffentlichung in einer Tageszeitung hatte ich mit 15 Jahren und habe gefühlt, dass da irgendetwas draus werden könnte und habe das so weiterverfolgt. 

Und jetzt stehe ich hier.

S-INSIDER: Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Holtschulte: Erstmal aufstehen und dann pinkeln (lacht).

S-INSIDER: Womit zeichnen Sie?

Holtschulte: Mit einem Pinselstift, der vorne sehr hart ist und mit dem man dünne Linien machen kann. Der Stift stammt von einer japanischen Firma, die ich daraufhin angeschrieben habe, wie begeistert ich von dem Stift bin. Dann waren die sehr begeistert, und ich bekam gleich ein großes Paket mit Stiften, die ich an meine Kollegen weiterreichen sollte. Jetzt sponsert die Firma mich sogar.

S-INSIDER: Haben Sie noch mehr Sponsoren?

Holtschulte: Ich habe mal Cartoons für Windows gezeichnet, dann habe ich ein Surface bekommen. Bei Apple habe ich es schon zweimal versucht, aber da hat es nicht geklappt.

S-INSIDER: Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen beiden weiterhin viel Erfolg und vor allem jede Menge komische Ideen.

(J. Hähndel)