Liebe auf Distanz

Fernbeziehung während des Studiums

Mit dem Studium beginnt auch gleichzeitig ein anderes Leben. Flattert die Zulassung für die Uni in den Briefkasten, heißt es für die meisten raus aus dem Nest bei den Eltern, und vielleicht steht sogar ein Umzug in eine andere Stadt an. 

Das ist auch alles schön und gut, schwierig wird es, wenn man bereits in einer Beziehung lebt und der Partner in der Heimat bleibt, dort vielleicht noch zur Schule geht oder eine Ausbildung absolviert. Vielleicht hat man sich aber auch gemeinsam an verschiedenen Universitäten eingeschrieben und wird in unterschiedlichen Städten angenommen. Einer geht nach Berlin, der andere bleibt in Kassel. So trennen plötzlich etliche Kilometer zwei Menschen, die sich lieben, und die nächsten Semesterferien liegen noch in weiter Ferne.

Viele nutzen außerdem während ihres Studiums die Möglichkeit, ein Auslandssemester einzulegen, um eine neue Sprache und ein anderes Land kennenzulernen. Aber für eine Partnerschaft kann so eine Entfernung ziemlich schwierig werden.

Laut einer Studie der Humboldt Universität führt unter den Studierenden jedes vierte Paar eine Fern- oder Wochenendbeziehung. Das ist nicht nur für das Gemüt eine große Belastung, wenn man überlegt, seine Liebste oder seinen Liebsten manchmal wochenlang oder sogar monatelang nicht zu sehen, sondern auch für den Geldbeutel. Ständige Zugfahrten und vor allem Flüge übersteigen schnell die finanziellen Möglichkeiten.

Nach jedem kurzen Wiedersehen folgen der Abschied und die Ungewissheit, wann man sich das nächste Mal wieder in die Arme schließen kann. E-Mail, Skype und Telefonate sind besonders in schwierigen Momenten nur ein kleiner Trost. Mit einer Fernbeziehung verbinden wir vor allem etwas Negatives. Gerade Paare, die zusammenleben oder sich jeden Tag sehen, können sich eine so lange Trennung voneinander kaum vorstellen. Aber hat eine Fernbeziehung andererseits auch Vorteile? Kann eine Liebe auf Distanz vielleicht sogar eine Beziehung stärken und festigen?

Lennart, 26, studiert Wirtschaftspädagogik in Kassel und führt seit anderthalb Jahren mit seiner Freundin eine Fernbeziehung. Da der Wunschstudiengang in seiner Heimat Hannover nicht angeboten wurde, fiel die Wahl auf die Uni Kassel. So liegen nun 200km bzw. zwei Autostunden zwischen dem Paar. Mit uns hat Lennart über die Vor- und Nachteile einer Fernbeziehung gesprochen und für junge Paare, die sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden oder bald stecken werden, ein paar Tipps verraten, wie man günstig pendeln kann, und wie man auch die schwierigen Zeiten trotz Entfernung meistert.

S-INSIDER Campus: Du bist jetzt seit bald zwei Jahren ca. 200 km von deiner Freundin getrennt. Was kommt dir persönlich an einer Beziehung auf Entfernung am Schwersten vor? Was belastet dich dabei am Meisten?

Lennart: Das ich an persönlich wichtigen Tagen (Geburtstag o. Jahrestag z.B.) nicht immer bei meiner Freundin sein kann. Aber auch, wenn es mal einem von uns schlecht geht und man den anderen gerade nicht in den Arm nehmen kann zum Trösten. Da fehlt einfach die direkte Nähe und ein Telefonat reicht nicht immer aus!

S-INSIDER Campus: Kam eine Trennung aufgrund der Distanz je für dich in Frage? Wann denkst du, sollte man vielleicht lieber doch über eine Trennung nachdenken bzw. wann ist eine Fernbeziehung deiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt?

Lennart: Für mich kam und kommt eine Trennung nicht in Frage. In meinem Fall ist die Fernbeziehung ja nur vorübergehend, wenn auch für mindestens fünf Jahre. Da kann man auf das Ende hinarbeiten und sich freuen. Ab wann eine Fernbeziehung nicht mehr sinnvoll ist, ist für jeden unterschiedlich: Eifersucht, Sehnsucht, Vertrauen…, das spielt alles eine Rolle. Wenn man merkt, dass man einfach häufiger traurig ist als glücklich, dann ist es an der Zeit zu sehen, ob man mit dem bisschen Kontakt wirklich zurechtkommt. Manche brauchen ihre/n Liebste/n einfach bei sich.

S-INSIDER Campus: Der Begriff “Fernbeziehung” hört sich immer erst einmal negativ an, besonders für Außenstehende. Aber hat so eine Distanz vielleicht auch Vorteile? Was sind die positiven Seiten daran?

Lennart: Positiv ist, dass man quasi „frei“ ist. Man kann im Grunde tun und lassen, worauf man gerade Lust hat. Manchmal möchte man ja auch etwas ohne die Freundin unternehmen. So ist immer genug Zeit für Freunde, Sport und andere Hobbies.

S-INSIDER Campus: Was unterscheidet Paare, die eine Fernbeziehung führen von anderen Paaren, die sich jeden Tag sehen oder vielleicht zusammen wohnen?

Lennart: Ich denke, dass das Vertrauensverhältnis ein ganz anderes ist. Wir sehen uns ja manchmal wochenlang nicht, und da ist es enorm wichtig, dass sich beide darauf verlassen können, dass man treu und ehrlich zueinander ist.

S-INSIDER Campus: Wann bzw. in welchen Momenten kommt einem die Distanz besonders schwer vor?

Lennart: Meistens dann, wenn ich auf befreundete Paare treffe. Dann denke ich oft wie gern ich jetzt auch meine Freundin dabei hätte.

S-INSIDER Campus: Wie geht man vor, wenn man sich sehen möchte? Ist große Organisation nötig oder sollte man spontan sein, wenn man die kurze gemeinsame Zeit auch nutzen will?

Lennart: Eine Mischung aus beidem. Organisation ist nötig in Bezug auf die An- und Abreise und vielleicht ein bis zwei Sachen, die man z.B. am Wochenende unternehmen möchte . Aber man sollte trotzdem spontan bleiben und sich nicht zu viel vornehmen, sonst hat man nur noch die Planung im Kopf und kann das Wochenende gar nicht richtig genießen oder ist nur enttäuscht, wenn mal etwas nicht so klappt wie gedacht.

S-INSIDER Campus: Nun ist ja das hin-und her pendeln nicht gerade günstig, hast du da Tipps wie man das am einfachsten und günstigsten organisiert?

Lennart: Mein Tipp sind Mitfahrgelegenheiten, die nutze ich nur noch. Habe vor einem Jahr  meinen festen Fahrer gefunden, der ist schneller und günstiger als ich mit BC 50 und der DB wäre. Ohne Mitfahrgelegenheiten würde ich meine Freundin nur halb so oft sehen, denn als Student ist man ja meist etwas knapper bei Kasse.

S-INSIDER Campus: Welche Möglichkeiten hat man, wenn man sich eben mal eine Weile gar nicht sehen und besuchen kann? Wie schafft man es, sich dann trotzdem nicht fremd zu werden?

Lennart: Ich telefoniere häufig mit meiner Freundin. Das kann auch mal Stunden dauern, ohne dass wir es merken. Dabei mag ich Telefonate sonst gar nicht so gern.

S-INSIDER Campus: Hast du persönliche Tipps für Paare die vielleicht bald durch eine große Entfernung getrennt werden? Was kannst du mit auf den Weg geben?

Lennart: Man sollte nicht versuchen, sich gegenseitig zu kontrollieren. Vertrauen ist das Wichtigste! Misstrauen killt jede Beziehung. Freut euch auf das nächste Wiedersehen, aber geht nicht mit der Einstellung da rein, dass dann alles perfekt sein muss. Nicht jedes Wochenende wird so sein, wie man es sich gewünscht hat, deshalb sollte man gar nicht zu viel planen, sondern einfach die gemeinsame Zeit genießen. 

Besonders wichtig ist es auch, viel miteinander zu reden, über alles was einen gerade bewegt, wovor man Angst hat, was einen gerade beschäftigt! Ansonsten lasst einfach die Zeit auf euch zukommen und findet heraus, was für eure Beziehung am Besten ist. Mir hilft es die Zeit der Entfernung zu überstehen, indem ich das Ende im Auge behalte und mich auf das Zusammensein danach freue!

(R. L. V.)