Herkules-Racing-Team

Gemeinsam auf die Pole-Position.

Nun einmal ganz ehrlich, Hand aufs Herz und Augen zu: wer träumt nicht davon, einmal mit durchgetretenem Gaspedal über den Asphalt zu rasen und sich ohne Blinksignale in die Kurve legen zu können?

45 Studenten der Universität Kassel aus verschiedensten Fachbereichen leben diesen Traum und bauen in Eigenregie, sowie unter dem wachsamen Auge des Wahrzeichens und Schutzpatrons Kassels, dem Herkules, ihren eigenen Rennwagen und legen ihre Ergebnisse in einem weltweiten Konstruktionswettbewerb offen.

Dieser ist die Formula Student Germany, die 2006 aus ihrem 1981 gegründeten amerikanischen Pendant entstand und alljährlich im Spätsommer Teilnehmer aus aller Herren Länder am Hockenheimring versammelt, damit diese sich in ihren technischen, ökonomischen und rennfahrerischen Fähigkeiten messen können. Dabei bildet aber nicht nur das Rennergebnis das Gesamtklassement. In jenes fließt auch der Kompromiss aus Performance, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit ein.

Umfangreiches und realitätsnahes Entwicklungsprojekt

So steht neben einer besseren Platzierung in den Saisonvorsätzen beispielsweise auch die Reduzierung des Gewichts, Kostenersparnis, bessere Funktionalität und geringere Abnutzung der beweglichen Teile auf der Liste. Die Motivation für das Herkules Racing Team hinter diesem weltweiten Wettbewerb besteht aus Spaß an der Teamarbeit, der Faszination Motorsport und dem Sammeln wertvoller Erfahrungen, während eines umfangreichen und realitätsnahen Entwicklungsprojekts.

Der direkte Kontakt zur Wirtschaft bietet dabei neben dem dortigen Know-how, auf das man zurückgreifen kann, auch die Chance, sich den Firmen direkt zu präsentieren. Die Arbeit am Rennwagen gleicht bis ins Detail dem Bauen eines straßentauglichen Automobils und dem Vermarkten einer Technologie.

Studenten jeder Universität, die an diesem Wettbewerb teilnimmt, können sich gleich ihres Studienganges in dieses Projekt einbringen und so Fähigkeiten zu Kompetenzen ausbauen, wie Thomas Hesse den Zweck dieses Gesamtkonzepts beschreibt.

Thomas Hesse ist der Teamleiter des insgesamt 45 Mitglieder starken HRTs. Gegründet hat sich dieses im Sommer des Jahres 2009. Neben den fachlichen Kompetenzen wird dem Team eine Firmenstruktur vermittelt, die sich zum Beispiel aus den Abteilungen Karosserie, Motor, Elektronik und Wirtschaft zusammensetzt und als Unit Zusammenbau in der Leitung um Thomas Hesse gipfelt.

In der Vielfalt der verschiedenen Abteilungen wird auch eine Interdisziplinarität erkennbar. So sind Mitglieder aus den Bereichen der Mechatronik, Elektrotechnik, des Maschinenbaus, Produktdesigns, Wirtschaftsingenieurwesens und sogar der Anglistik und Amerikanistik im Team engagiert. Diesen Rennwagen herzustellen, fordert eine Menge an Komplexität.

Um den Boliden zusammenzubauen, zum Fahren zu bringen und zum Wettbewerb anzumelden, darf die Höchstgrenze von 25.000 Euro nicht überschritten werden, was wiederum erfordert, dass die meisten der fundamentalen Teile eigens gebaut werden.

Und sollte mal ein Teil nicht herstellbar sein, wird es nach den Wünschen designet und bei einem der Sponsoren, von denen der Fachbereich 15 (Maschinenbau) und VW die Hauptförderer sind, in Auftrag gegeben. In jeder Abteilung sind mehrere Personen beschäftigt, die alle ihren eigenen Zuständigkeitsbereich haben, damit sich eine Menge Know-how über einen bestimmten Bereich in einer Person anhäufen kann; Präzision und Kenntnis jedes Teils sind hier gefragt.

So ist der "Rumpfmotor" zwar ein eingekauftes Serienteil, wurde aber komplett überarbeitet. Alles drum herum ist Eigenentwicklung von der Konstruktion, wie Wasserkühlung, Ölkühlung und -schmierung, Ansaugtrakt mit Einspritzanlage bis zur kompletten Motorabstimmung mit Einspritzmenge und Zündzeitpunkt und eigens gefertigtem Krümmer, um nur einiges zu nennen.

Formula Student Germany und Austria

Auf die beinahe alltäglich anmutenden Test- und Arbeitstage folgen die entscheidenden Belastungstests mit Eventcharakter; die Formula Student Germany und Austria. An Rennen nimmt das Herkules Racing Team erst seit 2011 statt – und das nicht ohne Erfolge. 2011 konnte das HRT mit dem besten Einstieg eines Newcomers aufwarten und in der Saison 2012 landete es bereits in der Mitte des 41 Teilnehmer umfassenden Feldes.

Das beste Ergebnis, das das aus Österreich noch toppen sollte, konnte das Team am Hockenheimring in der heimatlichen Ausgabe der Formula Student erreichen. Von 110 Teilnehmern konnten 79 im Staub des Kasseler Flitzers zurückgelassen werden. "Das ist ein Riesenerfolg, dafür, dass wir erst das zweite Jahr dabei sind", sagt Agnieszka Fedorov. Mit ihr hat in der laufenden Saison 2012/2013 eine Frau die Teamleitung übernommen.

Dass das Verbessern des Herkules Racing Teams kein Verschlechtern anderer Teams ist, liegt im Wettbewerb selbst begründet. Denn weniger die Leistung des Rennfahrers wird bewertet als die dynamische Performance des Autos, sowie das gestalterische und kalkulative Konstrukt. Die Verbesserung des HRTs hat ihren größten Anteil in der Gewichtsreduzierung des Wagens um mehr als 70 kg.

Aber auch andere Aspekte des Flitzers müssen sich in den verschiedenen Performancetests unter Beweis stellen. Beispielsweise soll der Langstreckentest die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit auf den Prüfstand stellen. Im Beschleunigungstest wird die Beschleunigungskraft unter die Lupe genommen und mit einem weiteren Test die Energieeffizienz und damit der Zeitgeist des Autos getestet. Und wer dann noch kosteneffizient gearbeitet hat und mit seiner Business Plan Präsentation Argumente aufzeigen kann, warum gerade das Auto des jeweiligen Teams in Kleinserie produziert werden sollte, der fährt sowieso ganz vorne mit.

Übrigens, das Herkules-Racing-Team freut sich über neue Mitglieder.

(C.W.)

Mehr Infos:

Fachbereich Maschinenbau

info@herkulesracing.de
www.herkulesracing.de