K&K Stauden

“Viel Optimismus und ein bisschen Naivität!”
Das Duo der K&K-Stauden über die ersten Schritte auf dem Weg zur erfolgreichen Selbstständigkeit.

Ein positives Feedback bekamen die engagierten Firmengründer Katharina Wöstefeld und Konstantin März schon 2013 vom Inkubator der Uni Kassel, der ihre Geschäftsidee mit dem dritten Preis beim Ideenwettbewerb Unikat auszeichnete. Noch heute stünden sie mit der Uni in Kontakt, erzählt Konstantin: „Da können wir uns jederzeit Ratschläge holen, denn die freuen sich immer, wenn es mit unserem Projekt vorangeht.“

Ein Grund für S-INSIDER Campus, die Jungunternehmer zu sponsern und hier einmal ausführlicher vorzustellen.

S-INSIDER Campus: War bereits die Wahl eures Studiengangs von der Idee beeinflusst, sich später mit einer Gärtnerei selbstständig zu machen?

Katharina: Nein. Wobei wir uns beide von klein auf sehr für Pflanzen interessiert haben.

Konstantin: Stimmt, Pflanzen haben mich schon immer begeistert. Aus diesem Grund wollte ich nach dem Abitur eigentlich Biologie studieren, doch leider war mein Notendurchschnitt für diesen Studiengang nicht ausreichend. Also wählte ich Landschaftsarchitektur. Kunst war neben Biologie das Schulfach, in dem ich die besten Noten erreicht hatte, und an der Fachhochschule Höxter hatte ich die Möglichkeit, mich im Studium intensiv mit Pflanzen auseinander zu setzen. Dort gibt es einen botanischen Schulgarten mit über 1000 Pflanzenarten und beinahe jedes Pflanzenseminar fand draußen statt

Katharina: Ich hatte schon als Kind einen eigenen kleinen Garten. Außerdem stand für mich schon immer fest, dass ich mich mal selbstständig machen möchte. Nachdem ich dann ein freiwilliges ökologisches Jahr gemacht und festgestellt habe, dass ich zwar unbedingt etwas mit Pflanzen machen, aber auch kreativ tätig sein möchte, schrieb ich mich für den Bachelorstudiengang „Landschaftsarchitektur und Umweltplanung“ an der Universität Hannover ein. Später eine Gärtnerei zu gründen, hatte aber keiner von uns beidem im Hinterkopf.

S-INSIDER Campus: Wenn sie nicht bereits die Wahl des Studiengangs beeinflusste, wann und wie kam die Idee dann zustande?

Katharina: Wir sind bereits seit zehn Jahren zusammen und nachdem wir an unterschiedlichen Orten unseren Bachelor absolviert hatten, entschieden wir uns gemeinsam für den Masterstudiengang der Landschaftsarchitektur in Kassel.
Wir teilen das Interesse an Pflanzen und hatten allmählich begonnen, sie im Garten von Konstantins Eltern zu ziehen und auf drei bis vier Pflanzenmärkten pro Jahr zu verkaufen. Als sich das Studium dem Ende zuneigte und sich die Frage nach der Zukunft stellte, entstand schließlich wie von selbst die Idee der Gärtnereigründung, weil wir beide die klassische Anstellung in einem Planungsbüro nicht wollten.

S-INSIDER Campus: Euer Sortiment beinhaltet neben geläufigen Gewächsen vor allem Pflanzen, die bereits im Mittelalter Verwendung fanden. Wie kam es dazu?

Katharina: Ich fand das Mittelalter bereits als Kind faszinierend, habe Ritter gespielt und später auch mittelalterlichen Schwertkampf gemacht. Im Studium besuchte ich dann ein Seminar zur Geschichte der Gärten, in dem ich viel über die Pflanzen des Mittelalters erfuhr. Als ich mich angeregt dadurch einmal auf einem mittelalterlichen Markt nach speziellen Kräutern umsah, aber nur getrocknete Gewürze fand, glaubte ich, eine Marktlücke entdeckt zu haben. So spezialisierten wir uns schließlich auf den Anbau mittelalterlicher Pflanzen, insbesondere Kräuter.

S-INSIDER Campus: Wie reagierte euer Umfeld auf die Idee, eine Gärtnerei mit dem Schwerpunkt auf mittelalterlichen Pflanzen zu gründen?

Konstantin: die Familie war natürlich zunächst skeptisch. Vor allem angesichts der Selbstständigkeit. Obwohl man uns wiederholt riet, erst einige Jahre in Anstellung zu arbeiten und Geld zu sparen, hielten wir es dennoch für das Beste, das Risiko zu einem Zeitpunkt einzugehen, zu dem man nichts zu verlieren hat. Wenn man erst einen gewissen Lebensstandard erreicht hat, fällt es zunehmend schwerer, Einbußen zu akzeptieren. Noch sind wir frei und ungebunden. (grinst)

S-INSIDER Campus: Wie gestaltete sich der Prozess ausgehend von der Idee bis hin zur Eröffnung des eigenen Unternehmens?

Konstantin: Die tatsächliche Firmengründung konnten wir eigentlich erst nach dem Studium richtig umsetzen. Beides ist ein Fulltimejob und zeitgleich nicht zu bewältigen. Als wir uns dann auf die Suche nach einer geeigneten Fläche begaben, recherchierten wir deutschlandweit. Allerdings fanden wir nur Gärtnereien, die eine Ablösesumme verlangten, die wir weder investieren konnten, noch wollten.

Katharina: Uns war von Anfang an klar, dass wir mit einem Gewächshaus beginnen und das Unternehmen dann mit zunehmender Nachfrage weiterentwickeln wollten. Durch einen Freund haben wir dann zufällig von einer brach liegenden Fläche in Kassel-Ihringshausen erfahren. Diese war, wie wir von den bisherigen Pächtern erfuhren, im Besitz der Stadt. Und so kamen auch schon die ersten Probleme auf …

Konstantin: … welche den Prozess der Firmengründung um einige wertvolle Monate verzögerten, die wir nutzen wollten, um Pflanzen nachzuproduzieren. Nachdem die Verkäufe im Frühjahr vielversprechend begonnen hatten, waren wir teilweise ausverkauft und mussten nun zwangsläufig Waren zukaufen. Investitionen, die nicht eingeplant waren. 

Katharina: Mittlerweile ist es uns zwar gelungen, mit unserer Gärtnerei Fuß zu fassen. Vor allem zu Beginn einer Unternehmensgründung muss man aber immer mit weiteren Hindernissen rechnen. Trotzdem: wir bleiben optimistisch. Ganz viel Optimismus und auch ein bisschen Naivität, die Wurzeln der Selbstständigkeit! (lacht)

S-INSIDER Campus: Jetzt, nachdem die Basis des Unternehmens geschaffen ist, wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit?

Konstantin: Ich bin für Botanik und Technik zuständig, Katharina kümmert sich um den kreativen Teil. Konkret bedeutet das: Ich ziehe die Pflanzen auf, pflege und dünge sie und verkaufe sie in unserer Gärtnerei und auf Märkten. Katharina vermarktet unser Unternehmen, akquiriert Kunden und organisiert die Marktbesuche. Eine derart klare Aufgabenteilung ist wichtig. Dennoch: endgültige Entscheidungen treffen wir immer gemeinsam.

S-INSIDER Campus: Und wer ist Kunde bei K&K Stauden?

Konstantin: Vorrangig der naturverbundene Teil der Bevölkerung, weil wir ausschließlich biologische Düngung verwenden und auf Spritzmittel verzichten. Unsere Pflanzen sind von Hand gezogen und sehen noch so aus, wie Pflanzen eben aussehen. Zu den Naturverbundenen kommen sogenannte „Reenactor“ hinzu, die historische Lebenswelten nachstellen, indem Kleidung, Ausrüstung und Gebrauchsgegenständige in Material und Stil möglichst realistisch der dargestellten Epoche entsprechen. Auf den Mittelaltermärkten stieß unser Angebot sofort auf große Zustimmung, weil es bisher keine vergleichbaren Stände gab. Bei so viel Offenheit lassen sich hervorragend neue Kontakte knüpfen.

Katharina: Aktuell testen wir außerdem die Nachfrage bei Naturkunde- oder Freilichtmuseen, Schulen, Naturkostläden und Restaurants. Wir müssen uns erst ein entsprechendes Netzwerk aufbauen.

S-INSIDER Campus: Was unmittelbar die Frage nach der Zukunft aufwirft, was ist für die kommenden Monate und das Jahr 2015 geplant?

Katharina: Langfristig ist unser Ziel, im Sommer ausreichend zu erwirtschaften und uns für den Winter zu stabilisieren. Um das in Zukunft zu erreichen, werden wir einerseits unser Sortiment erweitern und die Planung der Marktbesuche des folgenden Jahres noch genauer auf unsere Zielgruppen abstimmen. Andererseits werde ich weiterhin Vorträge über mittelalterliche Kräuter halten und außerdem Workshops anbieten, die das Kochen mit mittelalterlichen Kräutern oder Färben mit alten Färberpflanzen thematisieren. Außerdem werden wir auch unsere eigentliche Ausbildung nutzen und die Planung und Gestaltung individueller Gärten anbieten. Gern auch nach mittelalterlichem Vorbild!

Konstantin: Trotz all der Vorhaben, die dazu dienen sollen, unser Unternehmen zu optimieren sollten wir uns aber auch immer vor Augen führen, was bereits hinter uns liegt. Schließlich haben wir einen Weg eingeschlagen, den vor uns noch niemand betreten hat und uns bisher doch eigentlich ganz wacker geschlagen.

S-INSIDER Campus: Bliebe noch eine persönliche Frage, welche ist eure Lieblingspflanze?

Katharina: Oh, lass mich nachdenken, es ist nicht leicht, sich auf eine bestimmte Pflanze festzulegen. Im Allgemeinen bevorzuge ich aber Kräuter, zum Beispiel den wilden Thymian, der, wenn an Sommertagen eine leichte Brise durch die Blütenteppiche zieht, einen tollen Duft verströmt!

Konstantin: Alle Pflanzen sind Lieblingspflanzen, weil jede von ihnen über spezielle Eigenschaften verfügt. Einige sogar über mehrere dieser Eigenschaften zugleich, wie der „Agastachus“, ein nordamerikanisches Nesselgewächs. Sie schmeckt herrlich nach Anis, blüht entweder weiß, violett oder blau und lockt darüber hinaus noch Schmetterlinge an. Einfach eine eierlegende Wollmilchsau!

S-INSIDER Campus: Herzlichen Dank für das Interview und viel Glück für die Zukunft.

(T. R.)
Bildquelle: Wöstefeld und März GbR