Nameling - Namenssuche 2.0

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das gilt vor allem wenn die Geburt des eigenen Kindes ansteht und ein passender Vorname gefunden werden muss. Vor diesem Problem stand auch Folke Mitzlaff, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Kassel am Fachbereich Wissensverarbeitung. Doch der Informatiker verfrachtete die Namenslexika konsequent in die Ecke und packte das Problem bei den Hörnern, indem er Anfang 2012 die Vornamen-Suchmaschine Nameling entwickelte.

Was es genau damit auf sich hat, verriet er unserer S-INSIDER CAMPUS-Redakteurin Anna Sonnick.

Was macht Nameling genau?

Das Prinzip ist ganz einfach. Der User gibt einen Vornamen ein, der ihm gefällt und Nameling schlägt daraufhin eine gerankte Liste ähnlicher Namen vor. Dabei greift die Suchmaschine auf Wikipedia-Daten zurück. Auf der Ergebnisliste erscheinen also Namen, die in der Wikipedia in einem ähnlichen Kontext oder besonders häufig im Zusammenhang mit dem eingegebenen Namen genannt wurden.

"Nameling ist den Namenslexika in jeder Hinsicht weit voraus", ist sich Folke Mitzlaff sicher, "unsere Suchmaschine kann individuell auf die Vorlieben des Nutzers eingehen und sogar personalisierte Empfehlungen aussprechen, ähnlich denen von Online-Kaufhäusern."

Jeder der schon einmal auf Amazon unterwegs war, kennt diese persönlichen Produktempfehlungen. "Warum die gleichen Algorithmen nicht auch für Nameling nutzen?", dachte sich der Kasseler Informatiker. So entstand die neueste Funktion der Suchmaschine, frei nach dem Motto: "Leuten, denen Emil gefiel, hat auch Oskar und Anton gefallen."

Discovery Challenge 2013

Um diese Vorschlagsfunktion noch weiter zu verbessern, riefen Folke Mitzlaff und seine Kollegen im Rahmen der Discovery Challenge 2013 dazu auf, das optimale System für Nameling zu programmieren. Von Anfang August bis Ende September 2013 konkurrierten fünf Teams aus Deutschland, Brasilien und den USA in dem Wettbewerb und wollten mit ihren Vorschlagssystemen auf der European Conference on Machine Learning and Principles and Practices of Knowledge Discovery am 27. September 2013 in Prag überzeugen. Das Gewinner-Team, dessen System am zuverlässigsten und erfolgreichsten Namensvorschläge errechnete, kam aus Brasilien von der Universidade Estadual de Feira de Santana.

Wie sieht die Zukunft von Nameling aus?

"Da sind viele unterschiedliche Optionen denkbar", meint Folke Mitzlaff, "Am Spannendsten für mich ist die Integration subjektiver Wahrnehmungen, das sogenannte Opinion Mining. Ich fände es sehr interessant Informationen aus sozialen Netzwerken oder Twitter auszuwerten, um herauszufinden ob ein Name eher positiv oder negativ besetzt ist." Auch Basisinformationen wie Geschlecht, Anzahl der Silben, Anfangsbuchstabe oder der Klang des Namens würden zu einem genaueren Suchergebnis führen und dem Nutzer einen erheblichen Mehrwert bieten. Die Herausforderung liegt dabei ganz klar auf der Erhaltung der Benutzerfreundlichkeit, findet Mitzlaff, denn die Suchmaschine soll schließlich weiterhin intuitiv zu bedienen sein.

Der Weg zum Erfolg

Nameling zeigt wie aus einer spontanen und innovativen Idee eine weltweit genutzte Plattform wurde, die werdende Eltern rund um den Globus bei der Namenssuche unterstützt. 65.000 Menschen aus über 120 Ländern haben die Suchmaschine bereits genutzt und stellen monatlich bis zu 24.000 Anfragen. Doch Folke Mitzlaff findet:, dass er viel seinen Kindern zu verdanken hat. "Meine Töchter haben meinen Berufsweg maßgeblich mitbestimmt! Sie bilden gewissermaßen symbolische Meilensteine, denn am Geburtstag meiner Ältesten ging es direkt vom Kreissaal zum Bewerbungsgespräch an der Universität Kassel. Und die Geburt meiner jüngsten Tochter brachte mich auf die Idee mit Nameling, die nun wesentlicher Bestandteil meiner Promotionsarbeit war."